1. Liga – Sensation perfekt, HCPH entzaubert „Liga-Überflieger“ Wil im Playoff Final und wird Ostschweizermeister… | HC Prättigau-Herrschaft

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HCPH nach Sieg gegen Wil Ostschweizermeister 25/26.

HCPH nach Sieg gegen Wil Ostschweizermeister 25/26.

HCPH – Wil  4 : 3 (1:0/1:2/2:1)

HCPH-Torschützen: Bucher (Urech, Bahar); Amstutz (Lüthi, Tosio); Däscher (Vrabec); Amstutz (Tosio).

Der HCPH sorgt für eine Sensation und bezwingt den haushohen Favoriten Wil im Playoff Final in vier Spielen. Mit leidenschaftlichem Eishockey, grossem Kampfgeist und beeindruckender Konsequenz schreiben die Bündner ein kleines Eishockey-Märchen.

Vor einer würdigen Kulisse in der Grüscher Eishalle begann diese vierte Playoff-Finalpartie mit jener spürbaren Anspannung, die nur Spiele mit echtem historischem Gewicht in sich tragen. Beide Teams agierten zunächst ähnlich wie zuletzt in Wil: kontrolliert, diszipliniert und mit klarer Priorität auf defensive Stabilität. Die Ausgangslage war offensichtlich. Niemand wollte dem Gegner früh Räume anbieten, niemand wollte in Rückstand geraten und einem Rückstand hinterherlaufen müssen. So entwickelte sich in den ersten Minuten eine intensive, taktisch geprägte Partie, in der Zweikämpfe, Laufarbeit und Konzentration das Geschehen bestimmten. Doch der HCPH setzte früh ein erstes, entscheidendes Ausrufezeichen. Nach einer überstandenen Unterzahlsituation spielte Urech einen mustergültigen Pass auf Bucher, der nach exakt 266 Sekunden alleine vor dem Gästetor die Ruhe bewahrte und eiskalt zur 1:0-Führung einschob. Es war ein Treffer von grosser Bedeutung, weil er dem Heimteam nicht nur den Vorsprung, sondern auch emotionalen Rückenwind verschaffte. In der Folge blieb die Partie allerdings hart umkämpft und weitgehend arm an spielerischen Glanzlichtern. Beide Mannschaften standen defensiv sehr kompakt, liessen kaum klare Abschlüsse zu und neutralisierten sich über weite Strecken. Da Spektakel auf dem Eis Mangelware blieb, hatte die knappe, aber verdiente Führung der Bündner auch nach dem ersten Drittel weiterhin Bestand.

Der Mittelabschnitt begann dann aus Sicht des Heimteams denkbar ungünstig. Die Gäste aus der Äbtestadt nutzten eine frühe Unachtsamkeit in der HCPH-Defensive konsequent und glichen die Partie zum 1:1 aus. Damit war das Spiel wieder völlig offen und die Ausgangslage praktisch auf null gestellt. In der Folge entwickelte sich ein Finalspiel, das von grosser Intensität, aber über weite Strecken auch von gegenseitiger Neutralisation geprägt war. Das Geschehen verlagerte sich meist in die neutrale Zone, beide Mannschaften liessen kaum Tempo aufkommen und gute Torchancen blieben auf beiden Seiten die Ausnahme. Vieles spielte sich zwischen den Bullykreisen ab, während jeder Meter Eis mit grosser Konsequenz verteidigt wurde. Erst in der 34. Spielminute gelang es dem HCPH, sich aus dieser Umklammerung zu befreien und erneut vorzulegen. Amstutz reagierte nach einem Abpraller am schnellsten und verwertete entschlossen zur vielumjubelten 2:1-Führung. Die Grüscher Eishalle stand Kopf, doch die Euphorie erhielt fast im selben Moment einen Dämpfer. Gerade einmal 38 Sekunden später gelang den Gästen postwendend der neuerliche Ausgleich zum 2:2. In dieser Phase wirkte Wil präsenter, druckvoller und dem Führungstreffer näher, während der HCPH öfters Mühe bekundete, sich aus der Umklammerung zu lösen. So durfte das Heimteam nach 40 Minuten durchaus zufrieden sein, dass die Partie weiterhin unentschieden stand.

Das Schlussdrittel stand zunächst ganz im Zeichen der Vorsicht. Beide Teams wussten um die enorme Tragweite des nächsten Treffers. Ein Rückstand in dieser Phase hätte einer gewaltigen Hypothek gleichkommen können, entsprechend wollte niemand den ersten Fehler begehen. Die Spannung war förmlich greifbar, auf dem Eis ebenso wie auf den Rängen. Jeder Zweikampf wurde mit letzter Konsequenz geführt, jede Aktion gewann an Bedeutung. Und dann kam jener Moment, der sich im Nachhinein als einer der Schlüsselmomente dieses historischen Abends herausstellen sollte: In der 46. Spielminute fasste sich Däscher ein Herz und erwischte den Gästetorhüter mit einem ebenso überraschenden wie sehenswerten Kunstschuss zur erneuten 3:2-Führung. Die Halle explodierte, und der Treffer entfaltete beim HCPH eine enorme Wirkung. Plötzlich war wieder diese Überzeugung spürbar, dieses unbedingte Vertrauen in die eigene Chance. Nur vier Minuten später folgte der nächste Paukenschlag: Amstutz schnürte mit seinem zweiten persönlichen Treffer des Abends den Doppelpack und erhöhte auf 4:2. Spätestens jetzt bebte die Grüscher Eishalle. Der HCPH war dem ganz grossen Coup auf einmal zum Greifen nahe, während die Gäste sichtlich Mühe bekundeten, diesen neuerlichen Rückschlag zu verarbeiten.

Doch ein Favorit wie Wil ergibt sich nicht kampflos seinem Schicksal. Gut sechs Minuten vor Schluss kamen die Gäste in Überzahl noch einmal zum 4:3-Anschlusstreffer und läuteten damit eine Schlussphase ein, die an Dramatik kaum zu überbieten war. Nun stemmten sich die Bündner mit allem, was sie noch in sich hatten, gegen den drohenden Ausgleich. Wil erhöhte den Druck, suchte mit aller Macht die Entscheidung zu vertagen und drängte auf den vierten Treffer. Doch der HCPH verteidigte mit beeindruckender Leidenschaft, mit grossem Herzen und mit jener Entschlossenheit, die grosse Mannschaften in grossen Momenten auszeichnet. Es wurde geblockt, gekämpft, gearbeitet und gelitten. Jeder Spieler warf sich in den Dienst der Mannschaft, jeder Wechsel wurde mit maximaler Intensität absolviert. Und als die Schlusssirene endlich ertönte, brachen alle Dämme.

Mit diesem hart erkämpften, leidenschaftlichen und historisch wertvollen 4:3-Heimsieg schreibt der HCPH das grösste Kapitel seiner Vereinsgeschichte. Erstmals sichert sich der Klub den Titel des Ostschweizer Meisters in der 1. Liga. Und noch eindrücklicher wird dieser Triumph durch die Tatsache, dass die Bündner den hoch gehandelten Topfavoriten Wil in der Finalserie in vier Spielen bezwingen konnten. Was diese Mannschaft in diesen Wochen geleistet hat, ist aussergewöhnlich. Der HCPH überzeugte nicht nur mit spielerischer Qualität, sondern vor allem auch mit Charakter, Disziplin, Mentalität und einem unerschütterlichen Glauben an die eigene Stärke. Dieser Abend ist der verdiente Lohn für eine Mannschaft, die als Einheit auftrat, Rückschläge wegsteckte und im entscheidenden Moment über sich hinauswuchs.

Für den Klub, sein Umfeld und die gesamte Region ist dieser Erfolg weit mehr als nur ein Titelgewinn. Es ist ein Meilenstein, ein Abend für die Geschichtsbücher und ein Triumph, der noch lange nachhallen wird. Doch die Reise dieser bemerkenswerten Mannschaft ist noch nicht zu Ende. Bereits ab kommendem Donnerstag wartet mit Martigny die nächste gewaltige Herausforderung. Dann kämpft der HCPH um den Schweizer Meistertitel der 1. Liga. Das Eishockey-Märchen der Bündner lebt weiter.